Feldprüfungen – mein 1. Mal
Prüfungen bei den Setter-Clubs sind wohl doch ganz anders als Prüfungen der Jagdgebrauchshundevereine o.ä. Bisher hatte ich VJP, HZP und BP geführt und wurde dabei ganz ordentlich von Michael Reher „erzogen“ .. „Nenngeld ist Reuegeld!“, Packlisten, Benimmregeln, Kleiderordnung usw. alles hatte seine Ordnung. Somit meldete ich ganz unbedarft und „preußisch erzogen“ unsere erste Clubprüfung – meldete schon Wochen vorher an und bezahlte brav das Nenngeld. Ich hatte nicht viel Ahnung was mich erwarten würde und Lohmanns waren nicht sehr angetan wegen der voreiligen Meldung („man braucht erst am Tag der Prüfung bezahlen“), aber sie luden uns dann doch noch ein um vorher mit den Hunden zu üben. Donnerstag früh fuhr ich also mit den 3 Hunden in Richtung Borchen. Das war nicht ganz einfach, denn die ersten Kilometer rutschte ich fast nur durch den Schnee mit dem Auto und erlitt zahlreiche Adrenalinstöße – trotz Winterreifen! – aber irgendwann im Laufe des Vormittags erreichten wir den Zielort. Schon vor dem Mittag, kurz nach unserer Ankunft ging Andreas Lohmann mit uns ins Feld zu üben .. noch heute qualmt mir der Kopf von den Eindrucken des Erlernten und Gesehenen und ich kann kaum erzählen was genau und wie passiert ist. Chilis anfänglich weite, etwas entkoppelte Suche von mir konnten wir zu einer weiten, aber geführten Suche verändern. Milans anfänglich sehr verhaltene Suche – die wohl etwas meinerseits verschuldet war, denn ich hatte vorher wohl zu sehr am Gehorsam gefeilt – entwickelte sich zu einer traumhaften, weiten, aber geführten Suche. Beide haben eine sehr gute Nase, haben sehr gutes Vorstehen an Hühnern zeigen können und sind rasant im Feld unterwegs. Andreas hat sich wirklich viel Mühe mit uns gegeben und hat sein langjähriges Wissen und seine Erfahrungen auf uns als spezielles Mensch-Hunde-Team umgemünzt und weitergegeben. Christiane war derweil für den mütterlichen Teil zuständig und hat mit Rat & Tat & Trost und vor allem lecker Essen zur Seite gestanden. Vielen Dank euch Lohmanns!
Ich selbst konnte mangels Vergleich & Erfahrung die Leistung der Hunde sehr schlecht einschätzen, aber Lohmanns waren doch recht zufrieden mit ihrem Nachwuchs. So fuhren wir Samstag früh mit sehr gemischten Gefühlen zur Prüfung – die Anforderungen dort sind doch ziemlich hoch, allerdings würde uns auch kein Zacken aus der Krone fallen wenn wir zwar nicht bestehen (man sagt dort: „nicht platziert werden“) die Hunde aber einen spannenden Tag im Feld erleben dürften.
Mit etwas Schwierigkeiten aufgrund von Schnee und veränderten Straßenführungen erreichten wir schließlich doch noch pünktlich das Suchenlokal. Beim Melden gab es schon mal den 1. Anrüffler: warum ich nicht den Tag der Prüfung angekreuzt hatte, wenn ich doch nur einen Tag führen wollte? Ich hatte ja von nix vorher Ahnung – es gab keine Anmeldebestätigung, Ort und Zeit erfuhr ich erst telefonisch und ein Programm hatte ich nie gesehen. Immerhin bekam ich nun ein Tagesprogramm in die Hand und wurde etwas aufgeklärt. Insgesamt herrschte dort aber eine nette familiäre Atmosphäre der Teilnehmer, Organisatoren und Richter untereinander.
Schließlich fuhr unsere Prüfungsgruppe (insgesamt gab es 4) ins Revier. Das Wetter war sehr schön, sollte aber am Nachmittag in einen hässlichen Schneeregen bei kaltem Wind umschlagen. In unserer Gruppe wurden je 5 Hunde im Internationalem Derby solo und Field Trial solo gerichtet.
Chili startete im Derby solo und zeigte im 1. Gang ihre schöne, spritzige, weite aber lenkbare Suche. Zwischendurch durfte ich sie kurz heran nehmen da sich aus dem Feld 11 Rehe davon machten, die sie zum Glück nicht eräugte. Im 2. Gang am Nachmittag gelang sie an ein Huhn in der Hecke. Leider konnten die Richter aus ihrer Position nicht sehen wie sie vorstand. Das Huhn strich ab, dabei fiel ein Schuss und Chili stürmte hinterher. Schließlich zeigte sie an anderer Stelle in der Hecke noch einmal an einem Huhn dass sie vorstehen konnte – dort konnte ich sie dann gerade noch davon abhalten wieder ins Hetzen über zu gehen. In der Derby-Gruppe starteten noch 3 Gordon Setter und ein English Setter aus der Schweiz. Ein Gordon Setter kam an mehrere Hasen, entzog sich damit länger der Prüfung und schied aus. Von unserer Gruppe erreichte Chili mit einem „sehr gut“ und 14 Punkten sogar das Beste Ergebnis.
hier der Richterbericht über Chili:
Die Hündin zeigt eine sehr gute Suche mit viel Biss. Sie nutzt gut das vorgegebene Gelände, leichte Abzüge beim Vorstehen durch sehr heftiges Einspringen.





Nass, durchgefroren und mit Ungewissheit über die Bewertung der Prüfung, warteten wir im Suchenlokal auf die Auswertung des Tages. Leider zog sich dieses aus organisatorischen Gründen bis ca. 22Uhr hin. Zwischendurch waren wir doch etwas ärgerlich darüber – umso mehr versöhnte uns schließlich die Auswertung. Zu jedem Hund wurde relativ ausführlich über seine Leistung berichtet. Einige Hunde aus anderen Gruppen konnten „vorzügliche Leistungen“ erreichen, wofür es reichlich Beifall gab. Es war nicht schlimm wenn Hunde nicht platziert wurden – es gab ja für die meisten einen nächsten Prüfungstag und damit neue Chancen. Es herrschte ein faires Miteinander. Sehr viel Wert wurde auf die Auswertung der Suche und des Stils gelegt – was man sonst so wenig kennt aus den Jagdgebrauchshundeprüfungen – Stichworte wie Nasenhaltung, Wendung in den Wind, Galopp usw. vielen. Chilis und Milans Leistungen als Irish Setter und damit aus Lohmanns Zwinger wurden lobend hervorgehoben. Wir bekamen jeweils eine schöne Urkunde und die Leistung wurde ins Leistungsheft eingetragen. Trotz der Auf- und Ab’s des Tages, war es ein sehr schöner, lehrreicher und erlebnisreicher Tag gewesen. Müde fuhren wir nach Hause – die Fahrt war nicht einfach, denn es schneite mal wieder. Weit nach Mitternacht kamen wir nach Hause, wo sich die Hunde glücklich und von Hühnern träumend auf ihren Decken einkuschelten.

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